aus DTZ 2006-10:
Ein eigenes kleines Privatunternehmen
Beruf: Tennisspielerin. Doch nicht in den Top Hundert angesiedelt, sondern auf Rang 420 in der Welt und auf Platz 21 in Deutschland. Sabrina Jolk ist Tennisprofi - und DTZ-Mitarbeiter Dieter Nagel unterhielt sich mit ihr über die Probleme, aber auch über die Vorteile ihres Berufs. Spielerin und Reporter trafen sich nicht in Paris oder Wimbledon, sondern bei dem mit 50.000,- Dollar dotierten ITF-Turnier in Marseille.
Wann immer Sabrina Jolk nach ihrem Beruf gefragt wird, antwortet sie: „Ich leite ein eigenes, kleines Privatunternehmen, mit eigener Logistikabteilung, und angeschlossenem Reisebüro.“ Wer den Werbespruch genau kennt, an den Sabrinas Antwort angelehnt ist, der merkt, dass sie das Wort „erfolgreich“ lieber vermeidet. „Ja, stimmt,“ lächelt die sympathische Münchnerin, „gut aufgepasst! Um im Bild zu bleiben: meine Finanzabteilung meldet mir fast wöchentlich, dass ich mich hart an der Rentabilitätsgrenze bewege.“ Und sie rechnet frank und frei vor, was sie diese Woche verdient hat:
„Ich musste hier in Marseille natürlich die Qualifikation spielen, um überhaupt ins Hauptfeld zu kommen.“ Die Quali beginnt immer am Samstag vor dem Turnier. Dass Sabrina aber am Freitagabend noch in Düsseldorf für ihren Verein Blau-Weiss Berlin ein Bundesligaspiel bestreiten musste, interessiert dabei natürlich nicht. Nur in Ausnahmefällen, wenn eine Spielerin noch beim vorherigen Turnier eingebunden ist, kann sie beantragen, einen Tag später zu spielen.
Im Gegenteil: Sabrina hatte sogar Schwierigkeiten, sich überhaupt für die Qualifikation anzumelden, da sie am Freitagnachmittag die Marseiller Turnierleitung anrief, und wahrheitsgemäß erklärte, sie werde noch ein Match spielen und dann nach Marseille aufbrechen. Nach den Statuten darf sich aber nur telefonisch anmelden, wer tatsächlich schon unterwegs ist. Deshalb wurde ihre Anmeldung zunächst nicht akzeptiert. Mit etwas Flunkerei am Telefon wäre es kein Problem gewesen, aber „was kann ich dafür, dass ich so ehrlich bin.“
Sabrina nahm also den ersten Flieger am Samstagmorgen, kam um 10.00 Uhr in Marseille an; der Fahrservice war pünktlich, holte sie vom Airport ab, und sofort ging es mit sämtlichem Gepäck zum Tennis Club, wo ihr Spiel für 13.00 Uhr angesetzt war. Für Training war vorher keine Zeit mehr, das Kofferschleppen musste als Konditionstraining genügen.
Nach dem Spiel, das sie zu ihrer eigenen Überraschung relativ leicht gewann, kam nur noch ein kurzes „Ich bin so müde“, und für den Rest des Tages ward sie nicht mehr gesehen. Sofort nach dem Duschen fuhr sie ins Hotel. Gebucht worden war das Hotel zum Glück durch die Turnierleitung; ansonsten hätte Sabrina sich durchfragen müssen, denn sie war das erste Mal in Marseille, kannte sich überhaupt nicht aus. „Das Hotel wurde aber erst ab Montag für die Hauptfeldspielerinnen vom Turnierveranstalter bezahlt! Das ist bei WTA-Turnieren zwar durchaus üblich, bei den kleinen ITF-Turnieren noch lange nicht. Marseille ist da eine sehr seltene Ausnahme. Normalerweise zahle ich das Hotel für die ganze Woche selbst. Und da muss man natürlich genau rechnen. Ich kenne Spielerinnen, die haben in fast jedem Turnierort eine Gastfamilie, wo sie fast gratis wohnen können. Das macht bei unserem Level der Preisgelder schon sehr viel aus.“
Was hat ihr dieses Turnier nun gebracht?
„Ich habe zwar in der letzten Quali-Runde verloren, bin aber, weil drei Hauptfeldspielerinnen abgesagt haben, als Lucky Loser doch noch reingerutscht. Das erste Hauptfeldspiel habe ich verloren, bekomme deshalb also auch keine Ranglisten-Punkte. Aber wenigstens das Preisgeld: 300 Euro!
Das ist für mich schon eine Menge Geld... ohne das Glück des Lucky Losers hätte ich gar nichts bekommen.
„Das Hotel war ab Montag frei, sowie das Essen im Tennisclub, ich habe also –nur- die ersten drei Hotelnächte und die Flugkosten dagegenzurechnen: Düsseldorf-Marseille und Marseille-Berlin: insgesamt 280 Euro.“ Also habe ich an diesen drei Tagen einen Verlust von mehr als 300.- Euro gemacht!
Nach Berlin musste sie fliegen, weil dort ihr Auto stand, mit dem sie vorher von München zu ihrem Bundesligaverein gefahren war.
„Für Blau-Weiss Berlin Bundesliga zu spielen, bedeutet mir sehr viel. Dass die Bundesliga-Einsätze ein sehr gutes finanzielles Polster bilden, ist ja bekannt; und dass mir das erhalten bleibt, ist mir sehr wichtig. Aber andererseits spiele ich deutsche Tennis-Bundesliga vor allem weil mir die Mannschaftspiele sehr viel Spaß machen und ich immer eine gute Leistung bringen kann bei so viel Unterstützung. Außerdem sind wir ein super Team bei Blau-Weiss, die Stimmung ist gut und wir spielen mit vielen deutschen Spielerinnen. Somit weiss ich, dass ich immer spielen kann und bin nicht an Position 15 gemeldet. Das ist ja bei den meisten anderen Bundesligaclubs leider nicht der Fall, die Mitglieder können sich mit ihrer Mannschaft meist gar nicht identifizieren, weil sie die eingeflogenen Ausländerinnen meist gar nicht kennen.
Wie sieht es eigentlich mit Sponsoren aus?
„Ich habe einen Vertrag mit Babolat, von denen ich mit Schlägern versorgt werde; das läuft sehr gut. Saiten bekomme ich gratis von Pacific.Einen Sponsor für Kleidung habe ich nicht. Eine Clubkameradin, die von ihrem Sponsor sehr reichlich versorgt wird, schenkte mir kürzlich vier Röcke und einige T-Shirts; und zwar nicht einfach die von ihr getragenen und abgelegten, nein, fabrikneu verschweißte.“ Sabrinas Augen strahlen, als sie davon erzählt. „Ich war sehr glücklich darüber; natürlich vor allem, weil es ein großes Loch in meinem Budget vermieden hat, aber auch wegen der Freundlichkeit. Das macht weiß Gott nicht jede! Und die Sachen kann ich gut gebrauchen, weil man mit einem neuen Outfit gleich viel motivierter ins Match startet.“
Den Namen ihrer Clubkameradin muss Sabrina leider verschweigen, weil sonst diese Quelle von Sponsorenseite versiegen könnte.
„Im Fitnessstudio „Clever Fit“ in München kann ich kostenlos trainieren, das ist Klasse, weil die Studios in München alle sehr teuer sind und ich mir da eine Menge Geld spare. Im „Clever Fit“ gibt es immer die neuesten Geräte: ich kann dort Krafttraining machen, oder Laufband, Crosstrainer, Fahrrad... Die Leute dort sind sehr nett und hilfsbereit! Ich nutze dies so oft es nur geht.“
Wenn Sabrina daheim in München ist, trainiert sie mit ihrem Trainer Alex Klec vom MTTC Iphitos. „Mit Alex Klec läuft die Zusammenarbeit sehr gut. Ich kann ihn leider nicht auf die Turniere mitnehmen, weil mir das Geld fehlt, deshalb können wir immer nur miteinander telefonieren, wenn ich unterwegs bin. Er ist beim MTTC Iphitos angestellt, vormittags trainiere ich meistens mit ihm und nachmittags mache ich Matchtraining und danach häufig noch Konditionstraining. Bei der Turnierplanung hilft Alex mir natürlich auch, wenn ich Fragen habe. Ich trainiere mittlerweile fast 7 Jahre bei ihm.“
Wie bist du eigentlich zum Tennis gekommen?
“Meine Eltern haben mich schon im Kinderwagen mit zum Tennis genommen, wenn sie gespielt haben. Sie waren aber nur Amateure. Als Kind hatte ich viel Freude am Eiskunstlaufen, aber dann habe ich mich mit sieben Jahren doch fürs Tennis entschieden. Während der Schule habe ich mich dann immer intensiver um Tennis gekümmert, auch mehrere Turniere gespielt, und nach dem Abitur habe ich mich dann entschlossen, Profi zu werden.“
Zur Zeit macht Sabrina ein Fernstudium in BWL, mit dem Ziel, im März 2007 ihr Vordiplom zu bekommen. „Außerdem will ich auf jeden Fall noch den B-Trainerschein machen. Allerdings muss man sehr diszipliniert sein, damit man das alles auf die Reihe bekommt mit Tennis, Kondi, Studium…“
Wenn Sabrina sich nach dem Abi nicht fürs Tennis entschieden hätte, wäre für sie ein Medizin- oder Jurastudium in Frage gekommen. „Aber die Möglichkeit habe ich theoretisch ja immer noch, wenn mich BWL mal langweilen sollte.“
Nach dem Tennis wird sie also Diplom-Betriebswirtin sein, mit Tennis-Trainerschein. „Ich werde also auf jeden Fall weiter mit dem Sport zu tun haben, am Besten in einer Sportmarketing- oder auch Sportbekleidungsfirma.“
Denkt eine gerade 24 Jahre alt gewordene Freiberuflerin an private Rentenvorsorge?
„Natürlich habe ich selber eine private Vorsorge abgeschlossen, es schaut ja nicht so gut aus mit der gesetzlichen Rente. Aber ich werde mich auf jeden Fall weiter im Tennis anstrengen, und dann habe ich ja vielleicht doch mal die Möglichkeit, etwas Preisgeld beiseite zu legen.“

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen
Clarisa, originating from South America, you have seen many places in Europe. Which city do you like best?
I am afraid, I can tell you about lots of European tennis tournaments, but I hardly can give you any detailed information about any particular city in the world. During a tournament, there is not much time for sight seeing.
But Paris, London, Berlin, Rome and Vienna offer a lot of places, monuments and buildings worth seeing…
I know that; and I would be glad I could see them all, but after a long match or on days off from play, on which I practice twice or maybe even three times, plus some massages, I am really too tired for undertaking any other major things. At some tournaments, being defeated early - as disappointing as it may be – does provide some time for discovering the area.
As you travel from one tournament to the other, how much time is there left to visit your home in Argentina?
Well, I am at home at my parents in Cordoba quite often. But most of my time I spend at the training camp in Saddlebrook, Florida. There I practice for example with Ashley Harkleroad and Elena Bovina, but mostly with my coach Leonardo Lerda. We do not really form a constant team like in other camps perhaps. Just those who are there practice together.
How do you normally train in Saddlebrook?
Mostly, I practice about 2 ½ hours in the morning and another 2 ½ hours in the afternoon. Furthermore, I spend about 1 ½ hours in the fitness centre for physical conditioning. Sometimes, I take a run through the forest, but this depends on the weather too.
Does this leave some time for any personal hobbies?
Yes, sure, but all my hobbies are involved with sports. I enjoy playing volleyball and soccer. Whenever I’m in Argentina, I go and watch my favorite club Boca Juniors.
Is soccer more popular than tennis in Argentina?
Naturally, Argentina is a soccer nation, but having about ten to twelve men in the top 100 of the ATP, celebrating some great successes – David Nalbandian as a finalist of Wimbledon 2002, Guillermo Coria recently won the Masters in Hamburg, just to name a few – the public interest has risen enormously.
And even the Argentinian ladies are very successful….
Yes, very much so. With Paola Suarez, Maria Emilia Salerni, Gisela Dulko und myself, we have quite a remarkable team.
By the way, can you walk through your hometown without being recognized by the public?
Well, in Cordoba everbody knows me anyway, but since reaching the quarter final at Roland Garros last year, even people on the streets of Buenos Aires approach me for autographs.
It is a really great feeling to be so popular and to feel so much support. And it’s exactly this people’s support which stimulates me to improve my tennis and be more consistent in my game. Due to my early loss at the French Open this year, I lost a lot of ranking points from last year, which made me fall from 28 down to 65. But if I might be able to remain in the top 50, always looking upwards, of course, I will be satisfied for the moment.
You have lost twice to Barbara Schett this year, once at the said French Open.
Yes, true. Barbara is an experienced and a very strong player, of course. Unfortunately, I was not in my best form for both of those meetings. But this is just what I said: I must try to be more consistent in my performance. I must avoid these ups and downs in future. And I shall win our third meeting, I tell you.
How do you prepare for a match?
I do have my fixed programme for daily training which was developed by my coach and myself. If there is an opportunity to practice with other players during a tournament, I do so. But if my coach claims there have some particular things to be practiced, we do that together, by ourselves. He regularly watches the early round matches of my next opponents if he doesn’t know the player and always prepares me well with his instructions.
Which players do you practice with mostly?
This depends very much on many factors like suitable practice times for both of us.
Do you undertake many off court activities with other players? I mean, any player might become your opponent on the next day.
Of course, it does happen that you have to play your best friend sometimes with whom you had dinner with the week before. But we are professionals. There is no friendship on court, but being an opponent does not mean being an enemy. I have good contacts with most of the players, especially some Italians as I speak some Italian, but mostly of course with other Spanish speaking players, like Paola Suarez, Rossana Neffa de los Rios and Fabiola Zuluaga, for example. And with some Americans, too.
What would be your perfect day without tennis?
To be at home with my family, sleep till around 10 a.m., have a large breakfast at pool side, and then go to the city for some shopping. In Argentina, living became quite expensive as the Peso – Dollar connection was broken, which made the Peso lose a third of it’s value.
But if you have an income in US Dollars like I do with my prize money, you can afford almost everything.
And how would this perfect day end?
With a great dinner with all my friends and then with a party, dancing until dawn.
So I wish you all the best at the upcoming tournaments and enjoy the next party.
Mit 14 hat man noch Träume ..... und mit 20 können sie wahr werden.
You had dreams at the age of 14 ...... but at 20, they might come true.
Dieter Nagel sprach mit der 19jährigen Ukrainerin Alexandra Kravets, die auszog um in Spanien ihr Tennisglück zu suchen
Dienstagnachmittag 17.00 Uhr. Die rote Asche auf dem Center Court in Madrid glüht; die Sonne brennt, die Menge brodelt. Auch nach 2 ½ Stunden Spielzeit kämpfen hier zwei Kontrahentinnen in der dritten Runde der Qualifikation um jeden einzelnen Punkt, als ginge es schon um den Turniersieg. Laut der Anzeigetafel stehen sich hier beim „Trofeo Union Fenosa“ die Spanierin Conchita Martinez-Granados und eine bisher unbekannte Spielerin aus der Ukraine gegenüber. „Vamos Conchita“ schallt es aus den Kehlen der 2000 begeisterten Zuschauer, die nicht wissen, dass es sich bei Alexandra Kravets um eine gute Freundin von Conchita und eigentlich um eine halbe Spanierin handelt. Denn seit mittlerweile 4 ½ Jahren lebt die 19jährige in Kiew geborene Blondine in Barcelona und trainiert dort täglich im Tenniscamp vom ehemaligen French Open-Gewinner Sergi Bruguera mit namhaften Spielerinnen wie z.B. Maria Antonia Sanchez Lorenzo, der späteren Finalistin dieses Turniers.
Schon als 14jährige hatte Alexandra Kravets so viele Turniere gewonnen, dass sie die Nummer 1 der ukrainischen Juniorinnen wurde.
„Als ich wegen dieser frühen Erfolge über den ukrainischen Verband eine Einladung
zu einem einmonatigen Probeaufenthalt in der „Sergi Bruguera-Tennisakademie“ erhielt, habe ich nicht lange überlegen müssen.“ Aus den vier Wochen wurden dann inzwischen 4 ½ Jahre. „Wenn es Nick Bollettieri gewesen wäre, der angerufen hätte, würde ich jetzt wohl in Florida leben und trainieren. Aber meine neue Heimat Spanien kommt natürlich auch dem Wunsch meiner Familie entgegen, weiterhin in deren näherer Umgebung zu sein.“
Eigentlich wollten sie ihre Eltern nur dazu ermuntern, irgendeinen Sport zu treiben.
„Dass ich mich dann für Tennis entschieden habe, lag an meinem Idol Steffi Graf, deren Karriere ich im Fernsehen verfolgt habe,“ Heute orientiert sie sich an der Power und Athletik der Williams-Schwestern, wenn sie auch mehr die Technik von Monica Seles bewundert. Stefan Edberg verehrt Alexandra jedoch so sehr, dass sie ihren Kater „Stefan“ genannt hat. Es wird aber wohl ihr Traum bleiben, mit ihrem Idol irgendwann einmal ein Mixed zu spielen.
Madrid, Center Court. Der erste Satz ging für Alexandra unglücklich mit einem Doppelfehler verloren. Aber für einen Profi, wenn auch erst 19 Jahre alt, ist ein verlorener Satz noch längst kein verlorenes Spiel. Mit ihrer eigenwilligen Vorhand sammelt sie Anfang des zweiten Satzes Punkt um Punkt.
„Über die sehr weite Ausholbewegung meines Vorhand-Topspins amüsiert sich sogar mein Coach und ruft dann in den Ballwechsel hinein: ´Hol ruhig weiter aus! Noch weiter...!!´.
Der ehemalige ATP-Spieler Alejo Mancisidor trainiert Alexandra mittlerweile schon seit 3 Jahren. „Alejo ist der beste Coach, den ich je hatte,“ erzählt Alexandra, die nebenbei auch noch Clubmatches für einen Verein in Marseille bestreitet, „aber trotzdem ist es immer wieder ein Highlight mit Herrn Bruguera trainieren zu dürfen, was leider nur sehr selten vorkommt. Beide bezeichnen meine Rückhand als meinen besten Schlag, aber ich finde meine Vorhand mindestens genau so gut.“ Wegen ihres druckvollen Spiels bevorzugt Alexandra eher schnelle Beläge wie Hardcourt oder Grasplätze, was man ihr heute, auf dem heißen Sand von Madrid, aber keineswegs anmerkt
Auch das in der Spielpause gewechselte T-Shirt ist schon nach wenigen Minuten schweißnass. Schon nach wenigen Minuten steht es bereits 3:2. Mit zwei aufeinanderfolgenden Assen leitet Alexandra den Gewinn ihres Aufschlagspiels ein, so dass sie ihren Vorsprung auf 4:2 ausbauen kann.
„Von meinem Coach werde ich stets perfekt auf das nächste Match vorbereitet und wann immer sich die Möglichkeit bietet, schaue ich mir auch das vorhergehende Match meiner nächsten Gegnerin an, aber da ich mit Conchita schon oft zusammen trainiert habe, wußte ich ohnehin, dass es ein sehr schweres Match werden würde.“
Alexandras Befürchtungen bestätigen sich schneller als der Anfang des zweiten Satzes hätte vermuten lassen. Die erfahrene Spanierin kann auf 4:4 ausgliechen.
Die spanischen „Vamos, Vamos!“-Rufe, die eigentlich Ihrer Gegnerin gelten, könnten von Alexandra, die von Freunden kurz Sasha genannt wird, mühelos auf sich selbst bezogen werden. Spricht sie doch die Landessprache inzwischen perfekt und akzentfrei.
„Ich glaube nicht, dass ich ein besonderes Sprachentalent bin, aber wenn man, wie ich damals, in einem fremden Land völlig auf sich alleine gestellt ist und ständigen Kontakt zu den Einheimischen hat, kommt das ganz von selbst.“
Genau so diszipliniert wie Alexandra früher in der Ukraine englische Vokabeln gepaukt hat, brachte sie jetzt ihre Schulausbildung via Internet zu einem erfolgreichen Abschluß. Nur zu den Abschlußprüfingen mußte sie für zwei Wochen nach Kiew reisen. Heimweh in die Ukraine hat Alexandra übrigens keines. Nur einmal im Jahr und das zu Weihnachten, verbringt sie einige Tage bei ihrer Familie in Kiew. „Der ukrainische Tennisverband hat mich übrigens kaum unterstüzt, und eher noch weniger, seit ich in Spanien lebe. Trotzdem würde ich mich riesig freuen, für die Ukraine beim Fed Cup antreten zu dürfen.“
Zurück auf dem Center Court. Die Sonne ist mittlerweile hinter der voll besetzten Tribüne versunken. Das Thermometer zeigt immer noch 35 Grad. Alexandra zollt mittlerweile ihrem kräftezehrenden und schweißtreibenden Spiel Tribut. Nach einem weiteren Aufschlaggewinn kann die Gegnerin wieder ausgleichen, es kommt zum Tie Break.
Ihre schweren Verletzungen der letzten 1 ½ Jahre, die zwei aufeinander folgende Knieoperationen notwendig machten, spielen aber keine Rolle mehr. „Dies alles hat mich weit zurückgeworfen, vor allem in meiner Weltranglisten-Position. Umso dankbarer bin ich, dass sich in England eine Firma gefunden hat, die mich finanziell so großzügig unterstützt, so dass ich mir sogar in unmittelbarer Nähe des Tennisclubs eine eigene kleine Wohnung leisten kann. Meine Rackets bekomme ich von einem namhaften Hersteller zur Verfügung gestellt, und ich bin froh, seit einem Monat auch für meine Tenniskleidung einen Sponsor gefunden zu haben.“
Ein unerreichbarer Netzroller beschert der spanischen Favoritin den ersten Matchball. Alexandra kontert noch einmal mit einem fantastischen Vorhandschlag, den die
„Gräfin“ nicht hätte besser ausführen können.
Die Bewunderung ihres einstigen Vorbildes ging sogar so weit, dass Alexandra eine Reise zu einem Turnier in Köln zu einem privaten Abstecher ins badische Brühl nutzte. „Dies hat meine erste Reise nach Deutschland zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht und ich wünsche mir sehr, dass mein Trainer in Zukunft einige weitere deutsche Turniere auswählt, damit ich z.B. auch Berlin oder Hamburg kennen lernen kann.“
Mit einem perfekt gespielten Stoppball beendet die spanische Lokalmatadorin das Match. Die beiden Kontrahentinnen verabschieden sich am Netz mit dem landesüblichen Kuß auf die Wange und vom Schiedsrichter mit dem obligatorischen Handschlag. Die Tribünen leeren sich schnell in der jetzt angenehmen Abendsonne von Madrid.
Alexandras stets guter Laune tut dieses verlorene Match aber keinen Abbruch. Lächelnd verabschiedet sie sich von uns mit den Worten: „Adios Amigos, ich fahre jetzt nach Hause...“
Dass sie damit Barcelona und nicht Kiew meint, das haben wir verstanden!
Rückblick auf ein erfolgreiches Jahr
Ein Interview mit Anca Barna
Am Rande der Deutschen Meisterschaften in Quierschied trafen wir die Titelverteidigerin und zur Zeit beste deutsche Spielerin auf der Weltrangliste zu einem Gespräch.
Anca, Sie können auf Ihre bislang erfolgreichste Saison zurückblicken. Was würden Sie dabei als besondere Höhepunkte herausheben?
Ja, begonnen hat meine Erfolgsserie eigentlich schon am Jahresende 2001, als ich in Quierschied Deutsche Hallenmeisterin geworden bin. Im australischen Gold Coast erreichte ich Anfang des Jahres das Viertelfinale und dann im April in Estoril/Portugal mein erstes WTA-Finale, das ich dann aber leider knapp gegen die Spanierin Magui Serna verlor. Im Mai habe ich dann auch bei den deutschen Turnieren in Hamburg und Berlin sehr gut abgeschnitten. Ich finde es übrigens sehr schade, daß es das Turnier in Hamburg nicht mehr gibt. Ich habe dort immer sehr gerne gespielt.
Sie sind zur Zeit die beste deutsche Spielerin, stehen auf Rang 62 der Weltrangliste. Was müssen Sie an Ihrem Spiel noch verbessern?
Ich arbeite mittlerweile schon seit zwei Jahren nach dem gleichen Konzept. Mein Training setzt sich zu zwei Dritteln aus Kraft-, Schnellkraft- und Ausdauerkrafttraining und nur zu einem Drittel aus Tennisübungen zusammen. Im Tennisbereich verbessere ich zusammen mit meinem Trainer Horst Engel nur noch Kleinigkeiten und versuche auch durch genauestens eingeplante Regenerationsphasen physisch stabiler zu werden.
Was sind Ihre Ziele für das Jahr 2003?
Mein kurzfristiges Ziel ist ein Platz unter den Top 50 auf der Weltrangliste. Erst wenn ich das erreicht habe, schaue ich weiter nach vorne. Ich plane lieber in kleinen Schritten. Ich denke, daß ich den Endpunkt meiner Leistungsfähigkeit noch nicht erreicht habe und ihn auch noch nicht abschätzen kann. Ich gewinne schon öfters gegen Top 30-Spielerinnen; weiß also, daß ich das Zeug dazu habe, weiter nach vorne zu kommen. Sehr wichtig wäre natürlich auch, dauerhaft verletzungsfrei zu bleiben. Am Jahresende plagte mich zum Beispiel eine schmerzhafte Handgelenkentzündung, die aber zum Glück mittlerweile ausgestanden ist. Außerdem gehört auch immer eine Portion Glück bei den Auslosungen dazu. Die beste Fitness hilft nicht, wenn man in der ersten Runde etwa auf Serena Williams trifft.
Als beste deutsche Spielerin gehören Sie eigentlich auch ins Fed Cup-Team!
Ja, ich bin sicher auch im erweiterten Kader und kam im letzten Sommer im Spiel gegen Spanien auch zum Einsatz, allerdings baut Bundestrainer Markus Schur zur Zeit auf eine ganz junge Mannschaft. Mit Martina Müller, Bianka Lamade, Marlene Weingärtner und Scarlett Werner hat er ein Team mit guter Perspektive zur Verfügung. Dazu noch Barbara Rittner als Leitfigur. Nur vermißt man bisher leider die Umsetzung seines Konzeptes.Mir selbst fehlt auch ein wenig die Unterstützung vom DTB; denn wenn man nur ein einziges Mal während des ganzen letzten Jahres angerufen wird, kann man wohl nicht von gutem Kontakt sprechen. Bei den Deutschen Meisterschaften wurde ich zum Beispiel, obwohl ich amtierende Meisterin und auf der Weltrangliste beste deutsche Spielerin bin, und obendrein in der vergangenen Bundesligasaison nur ein Spiel verloren habe (gegen Silvia Farina-Elia, die Red.), nur an Position 4 gesetzt. Das System, welche Ergebnisse in die Berechnung für die deutsche Rangliste einfließen, ist für Außenstehende sicher nur schwer verständlich;ich verstehe es ja selbst kaum. So hat mich der DTB beispielsweise aufgefordert, zur Berechnung alle meine Spielergebnisse einzuschicken, als ob man dort darüber nicht selbst Buch führt
Denkbar wäre auch ein Fed Cup-Doppel zusammen mit Ihrer Schwester Adriana.
Ja schon, wir spielen sehr oft und auch erfolgreich zusammen. Allerdings wurde Adriana bisher noch nicht zu einem Spiel nominiert, zumal wir mit Bianka Lamade auch eine sehr gute Doppelspielerin im Team haben. Leider trainieren wir auch während unserer vom DTB organisierten Lehrgänge nur sehr wenig Doppel. Bei den Deutschen Meisterschaften wurden sogar die Doppelwettbewerbe durch ein „Just for Fun“- Mixed-Turnier ersetzt. Die Idee dazu entstand, als wir im letzten Jahr nach der FedCup-Begegnung gegen Spanien auf Mallorca zusammensaßen, wo Barbara Rittner und Herr von Waldenfels über diese Möglichkeit nachdachten. Dadurch haben wir aber die einmalige Chance, für das FedCup-Team neue Doppelpaare auszuprobieren, vertan. Dies müsste vom DTB eigentlich besser geplant und organisiert werden. Überhaupt sollte man die Einladungen zu DTB-Lehrgängen vielleicht doch lieber mit Doppel-E schreiben, denn bisher heißt diese Einladung nichts anderes, als daß der DTB das Hotel bezahlt, wenn wir Spielerinnen zusammenkommen. Das gemeinsame Training beim letztjährigen „Lehrgang“ in Filderstadt, zu dem ich mit großen Erwartungen angereist bin, haben wir dann halt untereinander selbst organisiert.
Zur kommenden Bundesligasaison haben Sie den Verein gewechselt.
Nachdem mein bisheriger Verein BW Leimen die Mannschaft aus der Bundesliga zurückgezogen hat, spiele ich ab sofort für den TC Moers. Zusammen mit Els Callens aus Belgien, Angelika Roesch, Marlene Weingärtner und meiner Schwester Adriana sind wir einer der großen Favoriten für die Deutsche Meisterschaft. Allerdings werden es uns der TC Benrath, mit Barbara Rittner, Greta Arn, Vanessa Henke und Andrea Glass, und auch Waldau Stuttgart sehr schwer machen.
Welchen Stellenwert hat für Sie die Bundesliga?
Nach der verkorksten Vorsaison, als drei Vereine kurz vor dem Bundesligastart ihre Meldungen zurückzogen, erwarte ich für dieses Jahr wieder eine spannende und interessante Runde. In einer Mannschaft zu spielen ist für mich eine sehr schöne Abwechslung, allerdings liegt die Hauptkonzentration natürlich schon auf den WTA-Turnieren. Das Ziel mit dem TC Moers ist aber ganz bestimmt der deutsche Meistertitel!!! Ich halte die Bundesliga auf jeden Fall für sehr wichtig und es wäre sehr schön, wenn auch dadurch das deutsche Damentennis endlich wieder die Aufmerksamkeit bekommt, die ihm gebürt.
Vielen Dank für dieses Gespräch.
Das Interview führten Dieter Nagel und Andre Jahnke am 9.12.2002 in Quierschied
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